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Namasté again Nepal

von Celia SoltermannIMG_2967a

Die Ankunft am Tribhuvan International Airport in Kathmandu ist ruhig, auffällig ruhig. Die Touristen, die Mehrheit der Fluggäste, warten geduldig auf den Stempel im Pass und verlassen bald die mit Gepäck überfüllte Ankunftshalle. Es ist bereits dunkel draussen, jedoch angenehm warm. Eine merklich kleine Gruppe Taxifahrer steht vor der Türe bereit und versucht unverzüglich Touristen anzuwerben: „Taxi M’am, Taxi?“ Einigen lehne ich dankend ab und folge schliesslich einem freundlichen Nepali über die Strasse zu seinem winzigen Fiat, das hier übliche Taxi also.

IMG_6648 (2)Bereits beim Verlassen des Flughafengeländes fallen mir die leeren Strassen und eine ungewöhnliche Stille auf. Nur ganz wenige Male höre ich eine Hupe, Taxis sind nur wenige unterwegs, und Motorräder kann ich an einer Hand abzählen. Nur die Nachfeierlichkeiten des „Tihar“, des Lichterfestes, Gelächter und laute Musik, sind zu hören. Der Taxifahrer klärt mich auf und erzählt von den alltäglichen Problemen: „We don’t have fuel anymore.“ Indien habe die Grenzen geschlossen, und es werde kein Diesel, Benzin und auch kein Gas mehr nach Nepal exportiert. Später hören wir jedoch noch andere Versionen: Anscheinend sollen die Madhesi, eine der Ethnien im Süden, ebenfalls am Lieferstopp beteiligt IMG_6683_2sein, da diese mit ihren Rechten in der neuen Verfassung unzufrieden seien. In den vergangenen Wochen gab es immer wieder grosse Proteste, und viele Busse wurden mit Steinen beworfen.

Wie es denn so mit der neuen Regierung funktioniere, frage ich den Taxifahrer. Das Volk sei resigniert und enttäuscht. Das Erdbeben habe Schäden hinterlassen, die noch lange zu spüren sein werden. Vor allem die umliegenden Dörfer sind schwer beschädigt, Häuser unbewohnbar oder ganz zusammengestürzt. Darunter natürlich auch viele Schulen und Kinderwohnheime. IMG_6608(2)Auch jetzt, wo der kalte Winter naht, wohnen viele Menschen noch immer in Zelten oder unter Blachen. An die Unterstützung der Regierung glaubt niemand mehr. Diese seien nur an ihrem Wohl interessiert, und korrupt sei sowieso alles. Die Taxifahrt ist rasch vorüber, die Strassen sind wirklich ruhig. Die freundlichen Mitarbeiter im Tibet Guest House empfangen mich, und ich kann diese schweren Gedanken für den Moment auf die Seite schieben.

Bald geht es auf die lange, holprige Fahrt ins Terai, nach Dhangadhi. Nebst all den überfüllten Bussen, die IMG_2689Menschen auch auf den Dächern transportieren, kriege ich ein schlechtes Gewissen in unserem bequemen Jeep. Dazu kommt, dass die Busse durch die Proteste meist ohne Windschutzscheibe fahren. Als Ersatz haben sie Drahtgitter montiert oder Klarsichtfolie in mehrfacher Lage befestigt. Unsere Fahrer spielen gleich selbst Tankstelle: Da die Treibstoffknappheit im ganzen Land die Tankstellen lahmgelegt hat, verstauen die, die es sich leisten können, grosse Kanister im Auto. Mit der PET Flasche tanken ist also die Alternative.

IMG_2937Der erste Besuch in der Schule zeigt, dass sich nebst all den schwierigen Umständen wenigstens etwas nicht verändert hat: die laut plappernden und lachenden Kinder. Zumindest in den Pausen ist es sehr lebhaft, und es herrscht eine fröhliche Stimmung. Einige der älteren Schüler haben grosse Pläne und wollen gerne für den Staat arbeiten, um etwas zu verändern für ihr Volk.

In den nächsten Wochen an der Stepping Stone English School, in unserem nun zweiten Einsatz, führen wir verschiedene Workshops durch und setzen uns täglich in verschiedene IMG_7053 (2)Lektionen. In den Workshops versuchen Dora und Urs Frey, die beiden diesjährigen Studentinnen Jessica Schmid und Natalia Crameri und ich, den Lehrpersonen noch einmal einige didaktische Hilfsmittel für ihren Unterricht weiterzugeben. Die Themen haben die Lehrpersonen gewünscht: Klassenführung, Spiele im Unterricht, Mathematik, Naturwissenschaften und Schulführung und Organisation. Die Veränderungen sind vielleicht nicht grossartig, doch immerhin können wir nach einem Jahr kleine Aspekte entdecken, die sich geändert haben. Es gibt Lehrpersonen, die Gruppenarbeiten durchführen, die Kinder werden nicht immer aufgefordert, im Chor zu antworten, sie versuchen einzelne Schüler aufzurufen, IMG_7043 (2)die Atmosphäre ist teilweise sehr angenehm und unterstützend, so auch die Sprache und Art einiger Lehrerinnen und Lehrer. Nebst den Workshops haben wir immer wieder einzelne Klassenzimmer besucht und die Lektionen beobachtet, um anschliessend einige Aspekte zu besprechen und den Lehrpersonen Tipps zu geben. Die Tage waren lange und es war oft schwierig zu entscheiden, was im Unterricht wie verändert werden könnte, damit die Lehrpersonen auch nicht überfordert oder entmutigt werden. Trotzdem war es immer wieder schön bei einigen kleine Fortschritte zu sehen, die ihnen selbst Freude bereiteten. Die Abende haben wir mit gemeinsamem Kochen, «Tutto» und «Rommé» verbracht, wobei wir immer neue Energie tanken konnten.

Die drei Wochen an der Stepping Stone English School IMG_7131 (2)verflogen unglaublich schnell. Bald waren unsere Koffer gepackt, und wir mussten uns frühmorgens von den lieben Kindern im Wohnheim verabschieden.

Auch meine zweite Reise nach Nepal war sehr spannend, lehrreich und wiederum eine wunderbare Erfahrung. Auch wenn es diesmal schwerer fürs Gemüt war und mich die prekäre Situation im Land betrübt, möchte ich diese Reise nicht missen. Vielen herzlichen Dank an Dora und Urs natürlich, für diese tolle gemeinsame Zeit! Danke natürlich auch Jessica und Natalia für die erinnerungsreichen Stunden.