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Sponsorenbrief 2014

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Liebe Sponsorinnen und Sponsoren, liebe Freunde von Learn to Learn

Der diesjährige Dankesbrief kommt aus Chapali, geschrieben in Winterausrüstung in der kalten Bibliothek der Victor Hugo Manjushree Vidyapith (Schule des weisen Buddhas). Leider mussten wir den im Frühling geplanten Einsatz wegen eines unglücklichen Ausrutschers auf einem gefrorenen Waldweg auf den Spätherbst verschieben. Doras gebrochener Fuss ist aber inzwischen wieder "gehfähig".

An dieser kleinen Schule in der Nähe von Kathmandu haben wir schon vor einem Jahr gearbeitet. "Unsere" Solaranlage auf dem Dach des Hostels funktioniert perfekt; der Computerunterricht kann jederzeit unabhängig vom unsicheren Stromnetz betrieben werden, und die Schülerinnen und Schüler im Internat erledigen ihre Hausaufgaben nicht mehr bei Kerzenlicht. Auch für die mitgebrachten Spielsachen für den Kindergarten, die Farbstifte und Schulhefte waren alle wieder sehr dankbar.

Neben Unterrichtsbesuchen und Workshops für die Lehrpersonen haben wir hier auch ein "Postkartenprojekt" durchgeführt. Einige motivierte Schülerinnen und Schüler aus allen Klassen gestalteten über 500 Postkarten mit typischen Motiven aus der Kultur und der Landschaft Nepals. Sie erhalten dafür von einer Schweizer Firma Geld für einen Picknickausflug mit der ganzen Schule und die Einrichtung eines "Science Labs" für den naturwissenschaftlichen Unterricht. Bei der Überwachung unterstützten uns während einer Woche die beiden Studierenden der PH Chur, Celia Soltermann und Jan Oliver Nützi. Die beiden hatten uns schon nach Dhangadhi begleitet, wo wir die ersten vier Wochen unseres 13. Swisscontact-Einsatzes arbeiteten.

Den November verbrachten wir nämlich an der Stepping Stone English School in Dhangadhi, ganz im Südwesten von Nepal. Schon der Weg dahin war abenteuerlich. Zweimal acht Stunden in einem Geländefahrzeug, zusammen mit Celia und Jan und viel Gepäck, auf staubigen und holprigen Strassen, durch eindrückliche Landschaften, einfache Bauerndörfer, einen Nationalpark mit Affen und Krokodilen, einigen Polizeikontrollen, einem Chauffeur, der alle paar Sekunden aufs schrille Horn drückte … Dafür war der Empfang an der Schule überwältigend. Das grosse Schulhaus für die 1600 Schülerinnen und Schüler wirkte dagegen eher ernüchternd: Rohe Wände, harte Schulbänke, keine Fenster und Türen in den oberen drei Stockwerken … und über 40 Schülerinnen und Schüler in den kahlen und windigen Zimmern. In der Vorschule und bei den ersten Klassen fehlen sogar die Schulbänke; die Kinder schreiben und zeichnen auf dem kalten Boden.

Der völlig überarbeitete Schulleiter ermöglichte uns, grosse Veränderungen im methodisch-didaktischen Bereich, bei den sachlichen Inhalten einzelner Fächer, im Tagesablauf des Internats und in der Schulleitungsstruktur sofort umzusetzen. Die acht  neuen Fachverantwortlichen und die vier Stufenleiter haben aufgrund der neu erarbeiteten Stellenbeschreibungen bereits ihre Arbeit aufgenommen. Noch nie haben wir bei unseren Einsätzen in so kurzer Zeit so viel erreicht. Ohne die Hilfe unserer beiden Studenten wäre vieles nicht möglich gewesen.

Bei unseren Unterrichtsbesuchen bemerkten wir auch, wie der Wind durch die kalten Zimmer wehte und die Arbeitsblätter der eng beieinander sitzenden Schülerinnen und Schüler aufwirbelte. Wir beschlossen deshalb, mit Learn to Learn die Montage der 70 Fenster für ein Stockwerk der Schule zu finanzieren, falls das "School Board" auch die restlichen Fenster für das ganze Schulhaus bezahlt. Schon am nächsten Tag wurden die Fensteröffnungen vermessen, und drei Tage später begannen die Handwerker mit der Montage der ersten Fenster. Die Schülerinnen und Schüler der oberen Stockwerke sind sicher dankbar, wenn sie schon bald nicht mehr mit steifen Fingern ihre Aufsätze schreiben müssen.

Wir danken allen für die finanzielle und moralische Unterstützung unserer Arbeit. Auch in der Zukunft wird unsere Hilfe hier in Nepal dringend gebraucht. Schon für den nächsten Februar ist unser nächster Einsatz geplant.

Wir wünschen allen frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr.

Learn to Learn
Chapali, im Dezember 2014

Dora und Urs Frey