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Anja Putzi und Lucca Janka, PHGR: Ein Monat in Nepal

  

Ein Monat in Nepal

Namasté!

Wir heissen Anja Putzi und Lucca Janka. Zusammen studieren wir an der PHGR (Pädagogische Hochschule Graubünden), um PrimarlehDSC01678arerin und Primarlehrer zu werden. Anstatt ein Praktikum in der Schweiz zu absolvieren, duften wir mit Dora und Urs Frey einen Monat lang nach Nepal reisen. Wir hatten eine wirklich tolle und vor allem sehr lehrreiche Zeit zusammen.

Die meiste Zeit waren wir an der Victor Hugo Manjushree Vidyapith Schule in Chapali, einer kleinen Privatschule in der Nähe von Kathmandu.

Um herauszufinden, wie die Lehrpersonen an der Schule unterrichten, begannen wir die Lektionen zu analysieren. Wie lernen die Schülerinnen und Schüler, wie gut sind ihre Englischkenntnisse, welche Fächer und Themen gibt es und natürlich, wie können wir helfen?

Mit den gewonnenen Erkenntnissen begannen wir Workshops zur Unterrichtsgestaltung zu planen. Die meisten Lehrpersonen waren daran interessiert und motiviert mit zu machen. Am Ende schienen einige der Lehrpersonen etwas von unseren Beiträgen mitgenommen zu haben. Andere werden früher oder später wohl wieder ihren eigenen Weg gehen.

Es ist schwierig zu sagen, ob wir grosse Erfolge erzielten oder nicht. Das ganze System in Nepal, die Politik, die Kultur sowie die Religion kann mit den in der Schweiz vorherrschenden Bedingungen nicht verglichen werden. Es ist dementsprechend schwierig eine Gegenüberstellung zu machen.

Als Beispiel kann hier die Ausbildung zur Lehrperson genannt werden. Jemand, der in Nepal die reguläre Schulzeit absolviert, ist automatisch dazu befähigt, eine Lehrerin oder ein Lehrer zu werden. Also wenn man in Nepal keine Ahnung hat, was man werden will, oder man keinen anderen Job findet, wird man einfach Lehrperson. So denken leider viele Nepali über diesen Beruf. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass viele Lehrpersonen keine Ahnung von Unterricht und Methodik haben.  Sie nehmen ein Buch in die Hand und beginnen zu lehren.

Wir haben versucht ihnen einige Tipps zu geben und zu zeigen, wie man eine Lektion plant, was sie mit den Kindern machen können, und am Wichtigsten für uns war, dass wir ihnen zeigten, wie sie die Lernenden aktivieren. Die Kinder sollen lernen zu lernen, indem sie denken, nicht einfach auswendig lernen.

Alles klang nach einem guten Plan, doch das Problem war, dass die Lehrpersonen so schon ein geringes Einkommen erhalten und nur für die Durchführung der Lektionen bezahlt werden, nicht aber für die Vorbereitung. Warum mehr arbeiten und gleichviel verdienen, wird sich so mancher denken. Zu unserer Freude sind aber immer alle zu unseren Workshops erschienen. Wir sind uns sicher, dass einige der Lehrpersonen von unseren Bemühungen pofitieren konnten.

Aber nicht nur die dortigen Lehrpersonen profitierten. Wir haben bestimmt genau so viel hinzugelernt wie sie, wenn nicht noch mehr. Nepal ist so verschieden von der Schweiz. Wir bereiteten unsere Lektionen in der Wohnung vor, wo wir die meiste Zeit weder Strom noch Internet hatten. Zusätzlich durften wir nur wenige Kopien oder Drucke machen, damit Papier und Druckerfarbe gespart werden konnte. In den Schulzimmern hatte es keinen Strom, kein Licht, nur einige Bänke und ein Whiteboard. Wir sind es nicht gewohnt, unter diesen Umständen zu unterrichten, haben es aber dennoch geschafft. Wir lernten ohne jegliche Hilfsmittel zu unterrichten und können uns nun mit stolz „Meister der Improvisation“ nennen.

Wir haben nicht nur von der Arbeit an der Schule profitiert. Zusätzlich bekamen wir die Möglichkeit, verschiedene Schulen und sehenswürdige Orte zu besichtigen. Auf diesem Weg konnten wir das Land besser kennenlernen. In Nepal ist einfach alles anders. Zum Beispiel der Fahrstil der Nepalesen. Sie fahren wie die Verrückten - und das auf den schlechten, kaputten Strassen Kathmandus! Dafür genossen wir leckere Speisen, vegetarische wohlgemerkt, und sogar ohne Eier, wegen der herrschenden Vogelgrippe. Wir besuchten faszinierende und schöne Orte und durften einige nepalesische Feste miterleben. Wir erlebten so Vieles, wir wissen gar nicht, wo wir beginnen sollen.

Das Wichtigste, das wir lernten, war aber, dass es keine Rolle spielte, welche Art von Erfahrung wir machten. Es konnte eine anstrengende und herausfordernde, eine gefährliche oder eine traurige Erfahrung sein. Aber letzten Endes war es eine gute Erfahrung und wir konnten aus Allem etwas mitnehmen und lernen.

Vielen herzlichen Dank an Dora und Urs, für dieses unvergessliche Abenteuer! Wir wünschen euch nur das Beste und viel Erfolg bei euren zukünftigen Projekten. Ihr beide seid grossartig!

Chur, Januar 2014-01-15
Anja Putzi und Lucca Janka